Im Test: Dolmetscher-Apps für iOS und Android

Dolmetscher-Apps © istock.com/Warchi, Microsoft, Google, TalirApps, Apalon Apps

Speak you Englisch? Ob Übersetzungs-Apps in der Fremde und dort in Alltagssituationen wirklich helfen, hat COMPUTER BILD auf geprüft.

Sie wollen sich im Urlaub nicht ständig mit Händen und Füßen verständigen? Oder beim Lieblings-Italiener die Pizza stilecht bestellen? Dann greifen Sie doch einfach zum Handy plus Übersetzungs-App. Aber die Texte mühsam eintippen? Das kann schon nerven. Smarte Dolmetscher-Apps sollen das besser machen: Sie lauschen den Worten auf Deutsch, übersetzen in Echtzeit in die gewünschte Fremdsprache und lesen dem Gegenüber die Übersetzung gleich vor ? mit perfekter Aussprache, versteht sich. Das soll für flüssigen und ungezwungenen ?Small Talk? ganz ohne Sprachbarrieren sorgen. Welche Apps für iOS und Android das wirklich drauf haben, hat COMPUTER BILD getestet.

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Übersetzungs-Apps im Feldversuch

Die Apps stumpf mit Vokabeln füttern, das reicht COMPUTER BILD natürlich nicht. Stattdessen gingen die Tester mit Smartphone bewaffnet auf die Straße: In der Fußgängerzone, im Restaurant oder im Geschäft fragten sie Menschen mit anderen Muttersprachen nach dem Weg zum Flughafen oder orderten das Mittagessen. Die Apps mussten dabei zeigen, ob sie gesprochene Texte auch in lauter Umgebung verstehen, fix ins Englische, Italienische oder Chinesische übersetzen und deutlich vorlesen können. Was COMPUTER BILD in dieser Feldstudie erlebte:

  • Nach dem Weg fragen: Trotz Lärm und Störgeräuschen beim Sprechen hörten die Apps gut zu. Sie übersetzten selten perfekt, aber gerade noch sinngemäß ins Englische. So war der Weg zum Bahnhof schnell gefunden und ließ sich jederzeit erneut nachlesen ? oder von der App vorsprechen.
  • Schlemmen beim Italiener: Dass statt Pizza ?Funky? eine ?Funghi? gefragt war, klärte sich schnell. Die Bestellung wäre reibungslos verlaufen, aber das Mobilfunknetz schwächelte ? wie so oft in Restaurants und anderen Gebäuden. Nur am Fenster mit 3G-/LTE-Empfang gab es die App-Übersetzung.
  • Im Geschäft einkaufen: Beim Besuch im Asia-Shop mussten die Apps mit chinesischen Schriftzeichen zurechtkommen ? mit mäßigem Erfolg. Übrigens: Trifft man einen Chinesen in seiner Heimat, helfen die Apps oft wenig: Die Angebote von Microsoft und Google sind in China staatlich gesperrt, die Apps streiken.

8 Apps

Zu den Testergebnissen

Praxis-Test mit Muttersprachlern

Im Experten-Check bewerteten zudem professionelle Dolmetscher zahlreiche Dialoge und vergaben Noten für Spracherkennung, Übersetzung und Aussprache. Die Ergebnisse trugen maßgeblich zur Testnote bei. Was die Experten von den Apps präsentiert bekamen, war oft amüsant, aber selten zu gebrauchen. Und so gab es für einen eingesprochenen Testsatz wie ?Tut mir leid, unser Pizzaofen hat den Geist aufgegeben. Wie wär?s mit einer leckeren Pasta? Dazu passt unser offener Hauswein ganz hervorragend? gerne mal folgende Übersetzung: ?Sorry, our pizza oven is isolated on a white background? ? also ein vollkommen sinnentleertes ?Es tut mir leid. Unser Pizzaofen ist auf einem weißen Hintergrund isoliert.?

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Entspannt in die Ferien

Spracherkennung: Hui

Erfreulich: Alle Apps erkannten ins Handy gesprochene Texte schnell und zuverlässig. Sie filterten Störgeräusche wie Straßenlärm oder plappernde Gäste am Nachbartisch souverän heraus und erkannten, wann der Sprecher fertig war. Die beste Leistung bei der Spracherkennung boten Google Übersetzer (iOS) und Microsoft Translator (Android). Ärgerlich: Bei der Google-App war nicht immer ersichtlich, ob sie gerade zuhört oder nicht. Die Microsoft-App erlaubte keine langen Pausen und nahm etwas verzögert auf. Beim Drücken und sofortigen Losplappern verpasste die App daher oft die ersten Worte.

Übersetzung: Pfui

Doch was bringt die beste Spracherkennung, wenn die App nicht zuverlässig übersetzen kann? Und genau damit hatten alle Apps mehr oder weniger große Probleme. So machten die Apps aus der ?Pizza Funghi? eine ?Pizza Funky? oder deuteten die Redewendung ?ein dickes Fell haben? als ?einen dicken Mantel tragen?. Solche Fehler sorgten neben Unverständnis beim Gegenüber immerhin für ?eisbrechendes Schmunzeln? ? was einige Apps übersetzten als ?ein ICE zerstörendes Lachen?. Übersetzungen, die den Sinn entstellten oder gar ins Gegenteil verkehrten, ernteten natürlich schlechte Noten. So vermuteten viele Apps den Bus, der ?gegenüber vom Rathaus, direkt vor dem Bistro an der Ecke abfährt? stattdessen ?vor meinem Büro, direkt in der Bar? oder fanden den ?hervorragenden? Weißwein (Italienisch: ?benissimo?) nur ?in Ordnung?.

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Englisch okay, Italienisch schwach

Die Übersetzungen mit den wenigsten Fehlern gelangen im Test dem Microsoft Translator. Die Android-Version schaffte als einzige App noch ein knappes ?Befriedigend?. Am schlechtesten schnitt der Google Übersetzer ab, er war fürs italienische und chinesische Dolmetschen kaum zu gebrauchen. Generell kamen die Apps mit Englisch einigermaßen zurecht, doch bei Italienisch und Chinesisch versagten sie. Ebenfalls auffällig waren die Unterschiede zwischen iOS und Android. So war die Übersetzungsleistung des Testsiegers auf dem iPhone im Schnitt etwa eine halbe Note schlechter als auf Android-Geräten.

Vorlesen klappt gut

Das Vorlesen der Übersetzungen gelang allen Apps recht passabel. In diesem Testpunkt hatte Google dank guter Aussprache und angenehmer Stimme wieder die Nase vorn. Das bringt freilich wenig, wenn es vorher an der Übersetzung hapert. Andere Apps ?klangen? weniger gut: iTranslate Voice, ?Sprechen und Übersetzen? sowie MyTranslator.io nervten mit blechernen und schnarchigen Stimmen und lasen obendrein sehr schnell vor. Da war es oft schwierig, den Ausführungen zu folgen. Ärgerlich: Bei iTranslate Voice ließ sich das Sprechtempo nicht einmal anpassen.

Schnelles Internet ist Pflicht

Verwirrend: In allen Apps außer MyTranslator.io ließen sich Offline-Stimmen und -Sprachen aufs Handy laden. Die taugten aber nur bei Google und Microsoft ? und nur für Textübersetzungen. Spätestens für Spracherkennung und fürs Vorlesen braucht es unbedingt Kontakt zum Internet. Ohne Datenpaket kann das vor allem im Ausland teuer werden. Aber auch hierzulande verweigerten die Dolmetscher-Apps mitunter den Dienst, etwa in Gebäuden oder ländlichen Gebieten. Denn bei schwacher Mobilfunkverbindung (Edge) kamen die Apps mit dem geringen Übertragungstempo nicht zurecht. Spracherkennung, Übersetzung und Sprachausgabe gelang dort ? wenn überhaupt ? nur iTranslate Voice. Die Konkurrenz schwieg beharrlich. Bei starkem Netz (3G/LTE) oder WLAN gab es diese Probleme nicht.

Dolmetscher-Apps: Test-Fazit

Bei Spracherkennung und Vorlesen gab es nichts zu meckern, wohl aber beim Übersetzen: In der Königsdisziplin patzten die Apps, lieferten mitunter nur Kauderwelsch. Zudem nervt der Online-Zwang: Schwächelt das Mobilfunknetz, sind die Apps kaum zu gebrauchen.

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