iOS 10: Das bringt Apples neues Mobil-OS

iOS 10 © Apple, COMPUTER BILD

iOS feiert 2016 einen runden Geburtstag ? spätestens im Herbst dürfte iOS 10 erscheinen. Im Artikel finden Sie den Test der ersten Beta-Version.

Wie bei jeder neuen iOS-Generation sortiert Apple ältere Geräte aus, die die neue iOS-Version nicht mehr installieren können. Apple gab schon bekannt, für welche Geräten es das Gratis-Update auf iOS 10 gibt beziehungsweise nicht gibt:

  • Das iPhone 4S, das aktuell noch unter iOS 9.3 arbeitet, erhält kein Update mehr. Auch alle älteren Geräte sind nicht mehr dabei. Alle jüngeren iPhone-Modelle, also ab dem iPhone 5, können iOS 10 laden. Auch das iPhone 5C, 5S, iPhone 6/6 Plus, iPhone 6S/6S Plus sind dabei. Und es läuft natürlich schon vorinstalliert auf dem jüngsten Spross, dem iPhone 7. Alle iPad-Modelle ab dem iPad 4, also auch iPad Mini 2/3/4, iPad Air/Air 2, iPad Pro/Pro 9,7, können iOS 10 laden.
  • iPod touch der 6. Generation bekommt das neuen iOS, ältere Modelle bleiben außen vor.

15 Neuerungen

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Die größte Neuerung: Der Sperrbildschirm

Nach dem Aufspielen von iOS 10, das zumindest in der Beta reibungslos ohne Datenverlust als Over-the-Air-Update auf dem iPhone landet, ist bereits der erste Unterschied zu iOS 9 sichtbar: der Sperrbildschirm. Er mutiert vom Nebenschauplatz zu einer Art neuem Homescreen. Das beginnt bei der Optik: Die Uhrzeit zeigt das System in dickerer Schrift als unter iOS 9 an, die Benachrichtigungs-Mitteilungen für neue Nachrichten, E-Mails und Termine sind klarer gestaltet. Zudem lassen sich jetzt auch ohne Entsperren des Geräts jede Menge Dinge erledigen. Auf dem iPhone 6S erscheint etwa nach einem festen Druck auf eine Benachrichtigung ein Untermenü mit verschiedenen Aktionen. Darüber lassen sich Termineinladungen annehmen oder E-Mails löschen. Unverständlich: Auf Geräten ohne 3D-Touch-Technik, also allen aktuellen iPads, allen iPhones bis Version 6 und auf dem iPod touch, gibt es diese Interaktionsmöglichkeit nicht! Bleibt zu hoffen, dass Apple hier noch nachbessert. Eine noch größere Neuerung ist die Widget-Übersicht: Ein Wisch nach rechts auf dem Sperrbildschirm listet erstmals alle Widgets übersichtlich untereinander auf, je nach App sind auch hier Schnellaktionen möglich. Ähnlich hat man auch das Kontrollzentrum (Wisch von unten) erweitert, sodass sich darüber etwa Smarthome-Geräte wie die Philips-Hue-Lampen auf die Schnelle steuern lassen. Ebenfalls neu: Ein Wisch nach links im Sperrbildschirm startet die Kamera. Übrigens: Auch der seit jeher gewohnte Wischschalter zum Entsperren ist verschwunden, stattdessen erfolgt das jetzt per Druck auf die Home-Taste.

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Überraschung: Apple öffnet sich

Unter iOS 10 öffnet Apple fremden Entwicklern erstmals auch Systembereiche. So klinken sich Apps auf Wunsch in die Telefonfunktion ein oder erlauben eine tiefer gehende Fernsteuerung durch Siri. Bislang aber fehlt es noch an Apps, die die neuen Möglichkeiten ausnutzen. Interessant für deutsche Nutzer wäre vor allem die Möglichkeit, WhatsApp als Dienst in der Telefon-App einzurichten oder statt SMS WhatsApp-Nachrichten komplett freihändig mit Siri zu gestalten. Bislang geht das nicht. Doch immerhin zeigt die Integration der Apple-eigenen FaceTime-Anrufe die Idee: In der aktuellen Beta lässt sich bei Kontakten mit bekanntem FaceTime-Account ein FaceTime-Anruf direkt aus dem Adressbuch starten. Besonders auffällig für Entwickler ist außerdem der freie Kernel, sprich das offene Herz des Systems. Erstmals in der Geschichte von iOS können Entwickler und Sicherheitsexperten ohne Umwege auf das System-Innere zugreifen und potenzielle Schwachstellen schneller finden. Gegenüber TechCrunch sagt Apple, dass darin keine sensiblen Daten enthalten wären und man die Verschlüsslung zugunsten der Geschwindigkeit abgeschafft habe. Es bleibt spannend, ob das vielleicht sogar Auswirkungen auf neue Jailbreaks hat ? auch wenn die ihren Reiz über die Jahre sicherlich zum Teil verloren haben.

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iOS 10: Neuerungen © COMPUTER BILD

Die Tastatur bietet jetzt Wortvorschläge für mehrere Sprachen, ohne dass man die manuell wechseln muss.

Besser arbeiten mit Mail und Tastatur

Viele Änderungen gab es in der E-Mail-App. So ordnet das System jetzt den gesamten E-Mail-Verlauf einer Konversation ähnlich wie bei der Browser-Version von Google Mail unmittelbar hintereinander weg an. Das ist zunächst nicht unbedingt übersichtlich, weil man die einzelnen E-Mails erst durch genaues Scrollen wiederfindet. Zudem führt das Tippen auf den Antworten-Knopf stets zu einer Antwort auf die letzte Mail. Der Trick: Um auf eine Antwort mitten aus dem E-Mail-Verlauf zu antworten, muss man diese E-Mail erst vorsichtig nach links schieben. Erst dann erscheinen Symbole zum Antworten und Löschen, die sich gezielt nur auf diese Mail beziehen. Praktisch aber sind die neuen Filtermöglichkeiten und die neue Tastatur. Eine Wohltat für alle, die häufig beim Schreiben innerhalb eines einzigen Satzes oder Textes Begriffe aus mehreren Sprachen mischen: Die iOS-Tastatur ist ab iOS 10 multilingual. So korrigiert das Programm englische Begriffe in deutschen Texten korrekt, ohne dass man zwischen den beiden Sprachen wechseln muss. Eine ähnliche Funktion bietet bereits das Smartphone Blackberry Priv. Außerdem soll die Tastatur ? ähnlich wie Cortana ? mehr Fähigkeiten eines persönlichen Assistenten bieten. So erkennt die Tastatur im Chat, wenn man sich zu einem Termin verabredet und schlägt automatisch einen Kalendereintrag vor. In der Praxis fiel diese Funktion bislang aber nicht auf.

Schlafenszeit © COMPUTER BILD

Die Funktion Schlafenszeit in der Uhr-App weckt nicht nur morgens, sondern schickt einen abends auch rechtzeitig ins Bett.

Neue iOS-Funktion: Jetzt aber ab ins Bett!

Die Weckfunktion im iPhone kennt jeder. Aber eine Einschlaf-Erinnerung? Die gab es bei den meisten erwachsenen Menschen zuletzt in der Kindheit ? von den Eltern. Apple bringt sie jetzt wieder zurück und zwar versteckt in der Uhr-App in iOS 10: Nach Aktivierung der neuen Funktion ?Schlafenszeit? stellt iOS 10 dem Nutzer zur gewünschten Erinnerung einige Fragen zu seinen üblichen Schlafgewohnheiten ? Musik, Vorwarnzeit et cetera. Danach gibt es täglich zwei Alarm-Signale: Einmal zum Schlafengehen, das zweite zum Aufwachen. Und noch eins hat iOS 10 von den Eltern gelernt: die Kontrolle. ?Sorge dafür, dass die Balken im Schlafprotokoll einheitlich verlaufen, indem du jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett gehst und aufwachst.? Ja, Mama! Nur die Erinnerung ans Zähneputzen, die hat Apple irgendwie vergessen …

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Änderungen bei Fotos und Kamera

Fotos gruppiert das neue OS automatisch nach Ort, Zeit, Personen und weiteren Meta-Informationen. Diese Sortierung findet man in der Fotos-App unter dem Eintrag Alben. Speziell die Darstellung von Fotos auf einer Landkarte gefällt, sie erinnert an die mittlerweile eingestellte Storyteller-App auf Nokia-Lumia-Smartphones. Die Sortierung nach Personen funktioniert nur, wenn man zuvor Abbildungen von Menschen hinzugefügt und zum Training vielen Bildern zugewiesen hat. Die neue Fotos-App erstellt auch automatische Dia-Shows mit Musik. Dank künstlicher Intelligenz soll die Fotos-App in der Lage sein, wichtige oder emotional bedeutsame Motive von weniger bedeutsamen zu unterscheiden. Wie intelligent iOS 10 dabei letztlich vorgeht, sei dahingestellt. Auf jeden Fall sind die Filme, die in der Fotos-App unter dem Menü Andenken zu finden sind, durchaus hübsch anzusehen.

iOS 10: Neuerungen © COMPUTER BILD

Zum Entsperren muss man die Home-Taste drücken.

Apple Karten: Kaffeepause statt Offline-Modus

Auch die Karten-App hat Apple verbessert. Die wichtigste Funktion fehlt aber weiterhin: Anders als bei Microsofts Karten-App oder (mit Einschränkungen) bei Google Maps lassen sich Karten nicht vorab via WLAN für eine Offline-Nutzung herunterladen. Auch eine aktive Stau-Umfahrung ist bislang wohl nicht eingebaut. Praktisch: Bei laufender Karten-App zeigt das Programm durch Fingerwisch von unten nach oben Vorschläge an, die zum aktuellen Ort oder zur Situation passen. Ausgehend von Gewohnheiten und Standorten, zeigt die Karten-App etwa während der Pendelzeit eine Info zur voraussichtlich verbleibenden Reisezeit zur Arbeit. Sie macht auch Vorschläge zu Restaurants in der Umgebung. Dabei berechnet die Karten-App ein, wie sich die Ankunftszeit durch einen Zwischenstopp verändern würde.

Bunt, bunter, iMessage

Vor allem an Teenager richtet sich das aufgebohrte iMessage. Damit lassen sich simple Nachrichten mit bunten Bildern, lustigen Emojis, kleinen Animationen, etwa mit Feuerwerk und weiteren Effekten verzieren. Sogar ein eigener App-Store für iMessage-Apps, etwa für spaßige Foto-Effekte oder die vor allem in Asien beliebten Sticker-Effekte, soll kommen. Alltagstauglich ist aber vor allem die Integration von Emoji-Symbolen, die das Programm beim Tippen automatisch vorschlägt ? sie lassen sich mit einem Fingertipp in die Nachricht übernehmen.

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Zugabe für iPads: Zwei-Fenster-Modus

Wer das iPad zur Arbeit oder auch nur zur Recherche beim Buchen von Reisen benutzt, vermisst oft die Möglichkeit, zwei Browser-Fenster nebeneinander auf dem Display anzuzeigen. Mit iOS 10 ist das möglich ? man muss nur wissen, wie: Man zieht mit dem Finger einen derzeit nicht geöffneten Tab nach rechts an die Displayseite, schon ist das Display geteilt und der gewünschte Tab erscheint neben der aktuell geöffneten Seite. Auf iPhones oder dem iPod touch funktioniert das nicht.

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Apple verspricht Schutz der Privatsphäre

Viele Neuerungen in iOS 10 setzen voraus, dass das System Daten über den Nutzer, seine Vorlieben, Gewohnheiten und Aufenthaltsorte lernt. Tim Cook betonte daher bei der Vorstellung, wie ernst man das Thema Privatsphäre nehme. So sei für alle Kommunikation standardmäßig die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aktiviert. Zudem erhebe man keine Daten, um Profile zu sammeln ? ein Seitenhieb auf Google.

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iOS 10 dreht Werbe-Spionen den Saft ab

Werbenetzwerke versuchen vor allem über eingebaute Tracker in Gratis-Apps einen Anwender wiederzuerkennen und zu verfolgen, um ihm passende Werbung unterzujubeln. Seit einiger Zeit dürfen Apps zur Wiedererkennung von Anwendern zumindest offiziell nur die Ad-ID verwenden. Unter iOS 9 lässt sich vom Anwender zwar wählen, dass er kein Ad-Tracking wünscht ? doch allem Anschein nach hielten sich die Anbieter nicht immer daran. Wie ein entsprechendes Entwickerdokument von Apple verrät, gibt iOS 10 jetzt nach Aktivierung der Option ?kein Ad-Tracking? keine nutzbaren Informationen mehr nach außen, sondern nur noch eine Zahl mit vielen Nullen.

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Mac und iPhone wachsen zusammen

Anders als Microsoft unterhält Apple weiterhin getrennte Betriebssysteme für Computer, mobile Geräte, Uhren und Apple TV. Doch mit iOS 10 und dem neuen Mac OS für Mac-Computer wachsen iOS-Geräte und Macs näher zusammen: Sobald sich der Besitzer und Träger einer Apple Watch seinem Computer nähert, lässt sich der Mac damit entsperren. Und iOS-Geräte und Macs tauschen auf Wunsch ? bei aktiver Netzwerkverbindung ? Inhalte wie Texte und Bilder über den Zwischenspeicher per Copy und Paste aus. Apple-Pay-Vorgänge am Desktop-Browser schalten Nutzer per Fingerabdruck-Scanner im iPhone frei.

iOS 10 schon im Test

Noch ist iOS nicht verfügbar. Aber es gibt eine öffentliche Beta und auch eine Beta-Version für Entwickler. COMPUTER BILD hat alle Versionen schon im Test. Die letzte Beta-Version von iOS10 lief bereits ordentlich. Das Tempo ist okay, wirkt auf dem iPhone 6S Plus in der Bedienung teils sogar flüssiger als bei iOS 9. Auf einem älteren iPhone 6 Plus dagegen muss man hin und wieder etwas Wartezeit in Kauf nehmen, wobei dort auch iOS 9 keine Rakete ist. Die Probleme der ersten Beta-Versionen, bei der sich einzelne Apps hin und wieder mit einem schwarzen Bildschirm verabschiedeten, sind behoben. Dennoch ist nicht ganz ausgeschlossen, dass es auch mit der finalen Version von iOS 10 noch Probleme geben kann. In der Vergangenheit machte etwa der Wecker oder das Zusammenspiel mit bestimmten Mobilfunknetzen bei neuen iOS-Versionen immer mal wieder Probleme. Haben Sie keine Lust auf die fertige Version von iOS 10 zu warten? Dann probieren Sie die Beta aus. iOS 10 gibt es über die Registrierung auf beta.apple.com kostenlos für alle, die sich trauen, eine noch nicht final frei gegebene Software auf ihr iPhone oder iPad aufzuspielen.

Fazit: iOS 10

Nein, Apple: Das größte iOS-Update, das es je gab, ist iOS 10 nicht. Doch schon die Beta zeigte neben einigen Spielereien wie bunten iMessage-Stickern viele praktische Neuerungen. Zudem nutzt man künstliche Intelligenz und Sprachsteuerung stärker. Gespannt darf man sein, wie Entwickler die neuen Möglichkeiten künftig ausnutzen.

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