Gamescom: 90 Minuten Anstehen für einen Furz

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  1. Seite 1 ? 90 Minuten Anstehen für einen Furz
  2. Seite 2 ? Immer der Nase nach zu “South Park”

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Gamescom, zweiter Tag, die Türen öffnen sich den Privatbesuchern. Bis einschließlich Samstag werden rund 500.000 Menschen durch die Kölner Messehallen laufen, kommende Games anspielen, übergroße Goodiebags mit nach Hause schleppen und vor allem: viel Zeit mit Anstehen verbringen. Deshalb erkennt man die echten Gamescom-Veteranen auch an ihren faltbaren Campingstühlchen unter dem Arm. Nur Noobs sitzen auf dem Boden.

Wer sich mit den Gamescom-Besuchern vertraut machen möchte, muss dorthin gehen, wo es stinkt. Nein, das ist keine Anspielung auf überforderte Deosprays, sondern wörtlich gemeint. Am Stand von Ubisoft gibt es das kommende South-Park-Spiel mit dem duften Namen Die rektakuläre Zerreißprobe zu sehen und der Publisher hat für die Promotion etwas Besonderes entwickelt: Nosulus Rift, eine Art Nasenbrille, die den Duft von Pupsern versprüht, wann immer die Spielfigur einen fahren lässt.

So stehen an diesem Donnerstag zig Menschen bis zu 90 Minuten vor dem Stand, um Kunstflatulenzen zu riechen. Haben die den Verstand und Geruchssinn verloren? Finden wir’s heraus.

Grüß Walt Whiskey von mir!

“Ey, South Park, das ist so bescheuert, da müssen wir jetzt hin.”
“Wo fängt denn die Schlange an?”
“Ich glaub hier. Boah, so lang ey.”
“Egal.”

90 Minuten bis zum Ziel. Ich stelle mich an das Ende der Schlange. Meine Mitstreiter sind ein junger Mann in einem grünblauen Luigi-Kostüm mit einem angeklebten Schnauzer und ein italienisches Pärchen, nicht verwandt oder verschwägert mit Luigi. Der schraubt sich sogleich in den Schneidersitz, zückt eine Nintendo DS und beginnt, zu spielen. Die Italiener bleiben zunächst stehen, gucken sich etwas unsicher um, unterhalten sich. Der Kerl tritt ab, die Frau setzt sich zum Rest.

Was sind das noch für Menschen, die hier anstehen? Vor allem junge, wie praktisch überall in der sogenannten Entertainment-Arena, den drei großen Hallen, in denen die kommenden Blockbuster gezeigt werden. Gaming mag in Deutschland gesellschaftsfähig sein, jeder zweite Bürger spielt laut den jüngsten Umfragen des BIU mehrmals monatlich Videospiele, der durchschnittliche Gamer ist dabei 35 Jahre alt. Auf der Gamescom dominieren dagegen die jüngeren Spieler in allen Mustern und Motiven. Frauen in blümierten Jumpsuits, Männer in Animeshirts, viele Gamingmotive, eh klar, und auf dem Shirt eines Jungen steht “Walt Whiskey”.

Die Köpfe in den Smartphones

“Könnt ihr mal alle aufstehen, dann gibt’s mehr Platz!” (Alle erheben sich.)
“Das hat jetzt ja nicht so viel gebracht.”
“Nee. Wenn er weg ist, setzen wir uns wieder.”
“Ich steh doch jetzt hier nicht noch ‘ne Stunde rum!”

60 Minuten bis zum Ziel, das behauptet jedenfalls das kleine Schild, das den Wartenden vor die Nase gesetzt wird. Wäre Schlangestehen auf der Gamescom ein Game, wäre es serious. Die meisten Besucher um mich herum spielen auf mobilen Konsolen oder sind in ihr Smartphone vertieft. Was haben die wohl alle in Zeiten gemacht, als es diese Technik noch nicht gab, sich etwa miteinander unterhalten? Ich versuche es einfach mal: Und wo kommt ihr so her? “Aus Soest.” Das erste Mal hier? “Joa.” Und gut? “Och ja, schon ganz cool.” Ich merke: Mit meinem Notizblock in der Hand stoße ich auf Skepsis.

Der Italiener kommt zurück und hat eine Pappbox mit Asianudeln mitgebracht. Seine Freundin rümpft die Nase. Ob sie weiß, dass sie hier für eine furzeinflößende Demonstration ansteht? Der Nudelduft vermischt sich derweil am Boden mit dem von Schweiß- und Käsefüßen. Luigi stört’s nicht, er packt ein eingetuppertes Brot aus, beißt gedankenverloren rein. Eine Kehrtwende weiter vorne wird eine Flasche Wasser herumgereicht. Gamer reden vielleicht nicht immer viel, fürsorglich sind sie aber.

Köln – Gamescom 2016 eröffnet Auf der Spielemesse Gamescom werden dieses Jahr viele Virtual-Reality-Spiele vorgestellt.

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