Apple: iOS 10 vom Lockscreen bis zur Lasershow

Während sich Deutsche und Franzosen noch für ihre Nationalhymnen vor dem EM-Halbfinale warmsangen, veröffentlichte Apple am Donnerstagabend fast unbemerkt die Public Beta von iOS 10. Huh? Das kommende Betriebssystem für iPhone, iPad und iPod bringt tatsächlich praktische, natürlich gewöhnungsbedürftige und auch spaßige Neuerungen mit sich.

Wer ein iPhone ab Version 5, ein iPad ab der zweiten oder einen iPod touch ab der fünften Generation besitzt, kann die Betaversion auch selbst installieren und testen, bis Apple im Herbst die endgültige Version zum Download bereitstellt. Es empfiehlt sich jedoch, das auf einem Gerät zu tun, das nicht dringend im Alltag benötigt wird, denn es kann in einer nicht-finalen Fassung natürlich immer zu Fehlfunktionen kommen. Zudem sollte man eine Sicherungskopie seiner Daten anlegen, bevor man mit der Installation beginnt.

Deshalb, ehe es hier losgeht: Offizielle Anleitungen zum Anlegen eines Back-ups mit iTunes und ? falls die Beta nervt oder nicht gefällt ? zur Rückkehr zum bisherigen System gibt es hier.

An iOS 10 Beta heranzukommen ist simpel: Im Safari-Browser des jeweiligen Apple-Geräts auf beta.apple.com/profile gehen, mit den iTunes-Zugangsdaten einloggen oder registrieren, den Button “Profil laden” anklicken und die weiteren Anweisungen befolgen. Der Download und die eigentliche Installation von iOS 10 Beta erfolgen im Anschluss über das Einstellungsmenü des Geräts unter Allgemein und dort unter Softwareaktualisierung. Der Download der Beta umfasst 1,9 Gigabyte und sollte deshalb nur in einem WLAN und am besten mit angeschlossenem Netzteil erfolgen. Die eigentliche Installation auf einem iPhone 6s Plus dauert dann etwa elf Minuten.

Die Veränderungen zu iOS 9 machen sich schnell bemerkbar. An dieser Stelle soll es vor allem darum gehen, welche Bedienungsebenen Apple mit iOS 10 umbaut und warum: Lockscreen, Siri, 3D Touch ? und die Spaßebene.

Lockscreen

Der Sperrbildschirm wird bereits sichtbar, wenn ich das iPhone nur anhebe. Und damit sind auch alle Notifications da, die ich bisher nicht gesehen habe. Das erinnert an die Apple Watch, die alle möglichen Benachrichtigungen ähnlich anzeigt.

Was fehlt, ist die animierte Aufforderung zum Entsperren, das fast schon ikonische Slide to unlock. Ein Grund könnte sein, dass Apple jüngst das entsprechende Patent aberkannt wurde. Wahrscheinlicher aber ist, dass Apple weiß: Die meisten seiner Kunden haben mittlerweile ein Gerät mit Touch ID, also mit Fingerabdrucksensor, und brauchen den Wisch zum Entsperren nur noch, wenn sie mal nasse Finger haben, die der Sensor nicht erkennt.

Dafür gibt es nun ein zweistufiges Entsperren. Wenn ich meinen Finger nach dem Anheben nur auf den Homebutton lege, ohne zu drücken, entsperrt sich das iPhone sozusagen halb, zu sehen am Schloss-Symbol am oberen Bildschirmrand. Dort steht dann zwar Entsperrt, aber ich befinde mich weiterhin in der Lockscreen-Ansicht. Um zum Homescreen und meinen Apps zu gelangen, muss ich einmal auf den Homebutton drücken.

Das hat zwei Gründe. Erstens gab es in der Vergangenheit tatsächlich Beschwerden von Nutzern, denen Apples Fingerabdrucksensor zu schnell ist. Sie hatten Schwierigkeiten, ihre Notifications auf dem Lockscreen überhaupt zu sehen zu bekommen. Immer, wenn sie den Homebutton nutzten, um das Gerät “aufzuwecken”, landeten sie sofort auf dem Homescreen beziehungsweise in der zuletzt geöffneten App, weil der Sensor im Button nur diesen Sekundenbruchteil braucht, um den Fingerabdruck zum Entsperren zu erkennen. Das neue zweistufige Verfahren soll es einfacher machen, die jüngsten Notifications zum Beispiel über neu eingegangene Kurznachrichten zu lesen.

Denn zweitens, auch das ist neu, wird in iOS 10 der Funktionsumfang der Notifications erweitert ? sie werden interaktiver, und zwar durch 3D Touch. Ein fester Druck auf eine Notification öffnet quasi Miniversionen der eigentlichen Apps mit mehr oder weniger vielen Handlungsoptionen. Das funktioniert derzeit natürlich nur auf einem iPhone 6s oder 6s Plus, ältere Modelle sowie iPads und iPods unterstützen 3D Touch nicht. Wer so ein Gerät benutzt, muss auf einer Notification von rechts nach links wischen, um das Interaktionsmenü zu sehen.

Apple lässt auch Drittentwickler ihre Apps entsprechend anpassen. Aber wer seine Notifications wie aufbohrt, werden Nutzer erst mit der finalen Version von iOS 10 im Herbst sehen.

Es gibt noch einige weitere Veränderungen auf dieser ersten Ebene. So ist es einfacher als noch in iOS 9, aus dem Sperrbildschirm heraus die Kamera zu starten. Statt etwas umständlich aus der rechten unteren Bildschirmecke nach oben zu wischen, reicht jetzt schon eine grobe Wischbewegung von irgendeiner Stelle am rechten Displayrand nach links.

Der Sinn des Ganzen ist es, dem Nutzer die Navigation durch die eigenen Apps auf dem Homescreen zu ersparen. Viele schnelle, kurze Aktionen lassen sich in iOS 10 schon auf dem Sperrbildschirm erledigen. Der ist dadurch weniger ein Sperrbildschirm im eigentlichen Sinn und umso mehr eine erste Bedienungsebene. Diesen Trend, insbesondere Drittanbieter-Apps zugunsten des Betriebssystems in den Hintergrund zu drängen, verfolgt Apple schon länger. Google in Android übrigens auch.

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