Kindle Oasis: Noch näher am Papier

Inhalt

  1. Seite 1 ? Noch näher am Papier
  2. Seite 2 ? Ein Kindle für die Oberklasse

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Wer Bücher weiterhin auf Papier und nicht als E-Book liest, ist beim Anblick von E-Readern immer wieder aufs neue überrascht: Sie sehen zwar auf den ersten Blick aus wie etwas in die Jahre gekommene Tablets, sind aber kaum größer als eine Hand und damit kleiner und vor allem leichter als die meisten Taschenbücher, deren Aussehen und Gefühl sie doch eigentlich kopieren sollen.

Der am heutigen Mittwoch offiziell vorgestellte Kindle Oasis führt das Prinzip nur auf den ersten Blick fort. Das E-Ink-Display misst sechs Zoll, also rund 15 Zentimeter, bei einer Punktdichte von 300 dpi und entspricht damit den Spezifikationen des Kindle Paperwhite, des Kindle Voyage oder auch des guten Tolino vision 3 HD. Hier enden die technischen Gemeinsamkeiten mit den Vorgängern und Konkurrenzprodukten aber auch schon.

Die Besonderheit des Kindle Oasis zeigt sich auf der Rückseite. Auf der einen Seite ist der E-Reader dünner als alle bisherigen Modelle. Auf der anderen Seite ist er so dick wie seine Vorgänger. Dort steckt nämlich der Großteil der Technik wie der Akku oder die LED-Beleuchtung drin. Die ungewöhnliche Bauweise sorgt dafür, dass der Reader seinen Schwerpunkt auf einer Seite hat ? nämlich stets der Seite, auf der die Nutzer ihn halten möchten.

Nach einem kurzen Hands-on können wir bestätigen: Der Kindle Oasis mit seiner Griffseite liegt besser und vor allem natürlicher in der Hand als die Vorgänger mit ihrer flachen Tablet-Bauweise. Beziehungsweise in beiden Händen: Wer nämlich die Hand wechselt, muss nur den Oasis um 180 Grad drehen. Ein Lagesensor erkennt das und dreht die Inhalte auf dem Bildschirm automatisch. Auch die beiden Knöpfe zum Umblättern passen sich entsprechend an. Das ist durchaus clever.

“Papier ist weiterhin der Standard für uns, an dem wir uns messen lassen müssen”, sagt Marc Walliser, Leiter Industrial Design bei Amazons Lab126, im Gespräch mit ZEIT ONLINE. Deshalb soll der Oasis wie ein Buchrücken in der Hand liegen und nicht wie ein Smartphone. Gleichzeitig sollen Ablenkungen vermieden werden. Wie schon beim Kindle Voyage sind deshalb Rahmen und Display im Oasis eingeebnet. Das wirke wie ein kleines Detail, erklärt Walliser, die Leser bringe es aber noch einmal näher an die Inhalte. Im Vergleich zum Voyage wurde der gesamte Rahmen um das Display zudem etwas verkleinert, der Oasis ist also noch einmal kompakter.

Mit 131 Gramm ist der Oasis der mit Abstand leichteste E-Reader von Amazon, der Voyage kommt auf 180, der Paperwhite sogar auf 205 Gramm. Minimal schwerer ist die Variante mit Mobilfunk-Modul, die es wie im Voyage gegen Aufpreis gibt. Die meisten Kunden dürften die Inhalte aber ohnehin per WLAN auf das Gerät laden.

Der Rahmen des Oasis besteht aus einem galvanisierten und glasverstärkten Polymer, das nach Angaben Wallisers aus der Luft- und Raumfahrt stammt und gleichermaßen leicht wie widerstandsfähig sein soll. Wie stabil das Gehäuse tatsächlich ist, konnten wir natürlich nicht testen.

Ein Zweitakku steckt in der Schutzhülle

Wie schon vergangene Woche berichtet wurde, liegt jedem Oasis eine besondere Schutzhülle bei, die als Zweitakku dient. Sie haftet sich magnetisch an den Reader und lädt diesen dann automatisch auf. Hängt der Oasis gemeinsam mit der Hülle am Strom, wird zuerst der Hauptakku im Reader geladen und erst anschließend der größere Zweitakku in der Hülle. Walliser vergleicht die Leistung der beiden Akkus im Verhältnis eins zu fünf. Beide zusammen sollen bei normalem Leseverhalten ungefähr acht Wochen durchhalten. Eine Solaroption, von der das Wall Street Journal berichtete, wurde bislang nicht präsentiert.

Wohlgemerkt verschwindet bei angeklemmter Akkuhülle der Vorteil der Griffseite, weil sich die Hülle an das flache Ende der Rückseite heftet. Auch wird der Oasis damit deutlich schwerer: Knapp 240 Gramm wiegt der Reader dann. Wer also alle Vorteile des Oasis ausnutzen will, muss die Hülle immer wieder komplett abnehmen, was einigen Nutzern lästig sein kann.

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